Obwohl ich schon seit Tagen endlich mehr von unserem Fruitpicking-Job berichten will, bin ich bisher nie zum Schreiben gekommen. Hier auf den Silvan Estates ist immer was los, immer was zu tun und den PC teilen wir uns ca. zu zwanzigst.
Aber jetzt kommt er, mein Bericht ueber einen typischen Tag auf der Farm von Pam und Jeremy:
Der Tag beginnt hier frueh - meistens beginnen wir die Arbeit zwischen 7 und 8 Uhr. Nur die zahlreichen Regenschauer der letzten Tage verzoegerten das "picking" manchmal. Nachdem ich schnell ins Bad gehuscht bin, ziehe ich meine Arbeitsklamotten an (manchmal mehrere Schichten, denn zur Zeit ist es hier recht kuehl, max. 19C - von wegen, in Australien sei es immer gluehend heiss!). Dann gehe ich durch Pams und Jeremys Wohnzimmer nach unten in eine Art Parterre-Wohnung, in der wir fruitpicker unsere freie Zeit verbringen. Durch ein grosses Panormama-Fenster im Wohnzimmer kann ich sehen, wie die Morgensonne die gruenen Huegel und Laubwaelder beleuchtet; am Horizont zeichnen sich als blaue Schemen die Dandenong-Berge ab. Unten, im Aufenthaltsraum, sitzen meist schon mehrere muede Gestalten beim Fruehstueck.
Schliesslich gehen nach und nach alle in den Shed - eine Mischung aus Schuppen und Lagerhalle - wo die Beeren abgewogen und verpackt werden (dafuer werden wir Maedels eingeteilt). Hier machen wir unsere "Trays" fertig, unsere Sammelbehaelter, mit denen wir uns dann in die Straeucher schlagen. Pam sagt uns, ob wir Johannisbeeren, Himbeeren oder Blaubeeren pfluecken sollen, und dann verteilen wir uns auf die Strauchreihen.
Die Arbeit ist recht eintoenig und wenn nach ein paar Stunden der grosse Hunger kommt oder wenn man eine schlechte Reihe (mit wenigen guten Beeren) erwischt hat, dann sinkt die Motivation schon ein bisschen. Aber meistens geht die Zeit doch recht schnell rum, ab und zu scherzt man mit den "Nachbarn" in den naechsten Reihen, oder hoert Musik auf dem iPod.
Das Picking ist ein wenig wie eine Schatzsuche - findet man nach vielen kleinen, unreifen Beeren mehrere schoengefaerbte, grosse auf einen Schlag, ist das ein richtiger kleiner Gluecksmoment. Und obwohl ich schon gar nicht mehr sagen kann, wieviele Kilos ich bisher gepflueckt habe, finde ich es immer wieder schoen, die Beeren (mehr oder weniger) vorsichtig abzupfluecken und in ein Schaelchen zu legen. Und erwische ich mal eine, die zu dunkel ist, dann wandert sie eben nicht in den Tray, sondern in meinen Mund...
Mittags haben wir eine halbe Stunde Zeit fuers Lunch, dann wird (bei gutem Wetter) bis 17 oder 18 Uhr weitergearbeitet. Danach hilft jeder mit den Shed aufzuraeumen und DANN haben wir endlich Feierabend.
In der Kueche geht es dann zu wie in einer Restaurantkueche - Hektik, zischende Pfannen und brodelnde Toepfe ueberall, zahllose Essensgerueche, die sich vermischen.
Bis zur Bettruhe spielen wir im Wohnzimmer Karten, unterhalten uns oder schauen fern.
Und um 22 Uhr gehen die Lichter aus und ein typischer Tag auf den Silvan Estates ist vorbei.